Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/139

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viele haben auch in ihrem Leben gebetet, daß das letzte Wort JEsu ihr eigenes letztes Wort sein und werden möge. Wer aber hat je diese Worte anders gesagt oder sagen wollen, als nur gebetsweise, und wer wird sie in der Folge wohl anders sagen können und dürfen? Nichts anders wollen die unzähligen Nachfolger JEsu mit Seinen letzten Worten, wann und so oft sie dieselben wiederholen, sagen, als was der heilige Stephanus in seinem Todesgebete ausgedrückt hat, da er sagte: „HErr JEsu, nimm meinen Geist auf.“ Beim Gebrauch der herrlichen berühmten Worte hat man nichts vor, als um Bewahrung und Versorgung der armen scheidenden Seele zu beten. In diesem Sinne aber hat der HErr die Worte des einunddreißigsten Psalms nicht gesprochen, und der Ausdruck „befehlen“ soll nicht wie in unserer neueren Sprache ein Gebet andeuten, oder eine Bitte, sondern eine herrliche, große That des HErrn. Nach dem Wortlaut der heiligen Schrift heißt das letzte Wort des HErrn nicht anders, als: „Vater, in Deine Hände werde ich nun niederlegen meinen Geist, Dir werde ich ihn überantworten und übergeben; was ich hier auf Erden noch zu thun habe, das werde ich jetzt alsbald thun, nun soll mein Geist vom Leibe losgerißen werden und in Deine väterlichen Hände übergehen.“ So sagte der HErr, und alsbald that Er auch also, Er neigte Sein Haupt und hauchte Seine Seele aus, und überlieferte Seinen menschlichen Geist in die Hände Seines Vaters, auf daß Sein Tod vollzogen und Er ein vollkommenes Opfer würde für alle unsere Sünden. So haben wir also das letzte Wort JEsu nicht sowohl als ein Gebet anzusehen, sondern vielmehr als die Verkündigung der letzten noch übrigen That und Todeserfahrung unseres HErrn. Seine laute