Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/140

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mächtige Stimme legt aller Welt aus, was sie von sich selbst nicht versteht und ihr zu jener Zeit auch niemand hat auslegen können. Wie der Herold die Thaten ankündigt, die sein Herr wird geschehen laßen, so wird JEsus Christus nothgedrungen Sein eigener Herold und verkündigt nicht bloß den Menschen, die da zuhören, sondern dem ewigen Vater selbst den nun alsbald folgenden Vollzug Seines Opfers. Mehr zum Himmel, als über die Weite, über die Erde hin tönt die mächtige Verkündigung; in den ewigen Höhen soll vernommen werden, was auf dem Hügel Golgatha geschieht, Himmel und Erde erfahren von diesem Sterbenden selbst Seine Todesbotschaft, die sich nun verwandeln wird zu einer Botschaft des Lebens und zu einer Ursache der ewigen Seligkeit.

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 Aus dem, was wir bisher gesagt haben, könntet ihr, meine geliebten Brüder, selbst entnehmen, was der HErr gethan hat, indem Er die Worte sprach, oder vielmehr, was Er gethan hat zu der Zeit, da er Seine Worte ausführte und nach deren Inhalt handelte. Wenn wirklich das berühmte Wort des HErrn so aufzufaßen ist, daß es nichts anders heißt, als: „Vater, ich werde nun meine Seele in Deine Hände überliefern,“ so heißt das nicht bloß: „ich werde nun sterben“, sondern es heißt mehr. Es heißt: Ich werde nun selbst die Bande auflösen, welche Leib und Seele verbinden, ich werde Leib und Seele von einander trennen und scheiden, und wenn das geschehen ist, meine Seele Deinen treuen Händen überliefern. Es könnte freilich diese Auslegung und Deutung manchem bang machen; es könnte sich jemand gedrungen fühlen, wenn auch zögernd, die von mir gegebene Deutung zu erläutern und zu sagen: Das heißt ja nichts