Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/143

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für uns und alle Menschenkinder starb. Wir können daher nicht anders, wir müßen den Tod JEsu also faßen und Seine letzten Worte so verstehen, daß Er nun, nachdem alles andere bereits vollendet ist, das Opfer vollzieht, und an Sich, dem Menschensohne, das wirklich thut, was Abraham an seinem Isaak thun wollte. Sterbend hat er sich geopfert, und mit den Worten: „Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist“ kündigt Er Sein Opfer an. Seine Worte stimmen zu der That.

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 Damit wißen wir also, was der HErr gethan hat. Die Erklärung des wie aber liegt so nahe, daß ich mehrfach schon bei Beantwortung der vorigen Frage auch diese Frage beantworten wollte. Es liegt ja so außerordentlich nahe zu sagen: der HErr ist freiwillig gestorben, es hat Ihn von Ewigkeit keiner genöthigt, das Werk der Versöhnung zu übernehmen, sondern es war Sein eigener Beschluß. Und diesen Beschluß hat Er festgehalten auch in Seinem Erdenleben, unter allen, auch den traurigsten Umständen, den schmerzlichsten Leiden, den Nöthen des nahenden Todes, auch zu der Zeit, da Er alles vollendet hatte, und nichts mehr übrig war, als der Opfertod. Er hätte auf jeder Stufe Seines Lebens noch einen andern Weg gehen und anders handeln können, aber Er ist sich auf allen Stufen Seines Lebens und Leidens treu geblieben und hat endlich unverzagt im vollsten Sinne, sich selbst aufopfernd, nach dem Worte gethan: „Siehe, ich komme zu thun Deinen Willen.“ Diese Freiwilligkeit des Opfertodes JEsu gibt erst seinem Opfer den vollen und ganzen Werth, und erst dadurch wird der HErr nicht bloß Opfer, sondern Hoherpriester und Versöhner. Diese Freiwilligkeit erscheint aber nicht bloß in einer stillen oder schwächlichen