Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/144

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Gestalt, sondern es geht kräftig und mächtig her, denn Er ruft ja mit lauter Stimme: „Vater, in Deine Hände“, und neigt dann selbst Sein Haupt und stirbt. Eine unverdroßene, mächtige, gewaltige Freiwilligkeit und Freudigkeit zeigt sich bei unserm HErrn, und wir dürfen daher nicht bloß die Frage: wie hat Er sich geopfert, so beantworten, daß wir sagen, freiwillig, sondern wir müßen auch dazu setzen, in der Freiwilligkeit mächtig, stark am Geist, auch mit lautem Geschrei und Ton des Leibes. Obwohl Er wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und vor seinem Scheerer verstummt, sich zum Kreuze hat führen laßen, auch so geduldig leidet und stirbt wie ein Lamm; so trägt Er doch in Seinem Sterben nicht bloß Lammesart, sondern man sieht, es überwindet der Löwe aus Juda, und dieser Hoherpriester geht in königlicher Majestät und großer Kraft an Sein Amt, und vollzieht Sein Opfer, daß die Himmel vor Erstaunen schweigen, daß die Erde bebt und der Aufenthalt der Todten zerrißen wird, daß sich der Hauptmann am Kreuze bekehrt und die Menge mit bedenklichen Faustschlägen an die eigne Brust zur Stadt zurückkehrt.

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 So hätten wir denn das letzte Wort vom Kreuze betrachtet, und vielleicht ist uns auf dem Wege der Betrachtung der Werth desselben gestiegen. Was mir jetzt noch obliegt, ist eins, nemlich euch zu zeigen, was für eine Leuchte wir an demselben bei unserem Gang in die Ewigkeit haben. Der HErr sagt: „Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist“; warum wählt Er diesen Ausdruck? Kann Er denn Seine Seele irgend wo anders hingeben, als in die Hände Seines Vaters, in deßen treue Allgewalt und allmächtige Liebe? Ist der Ausdruck so gewählt, daß