Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/147

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Worte Seine Nachfolger sein. Ebenso sprechen wir auch, wenn schon ganz anders, als der HErr, dennoch aber mit vollester Wahrheit, in unserem Maße und in unserer Weise: Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist. Der gewaltige Vorgang JEsu ermächtigt uns zur Nachfolge. Der Unterschied zwischen Seinem und unserem Vollbringen ist der Grund, weshalb wir in unserem Maaße wohl vollbringen können. Ebenso ist der Unterschied, der zwischen Seinem letzten Worte und der Art und Weise ist, in welcher wir es nachsprechen können, Grund und Ursach, weshalb wir so selig dem HErrn nachbeten dürfen. Im vollen Bewußtsein des Unterschiedes, ja in der freudigsten Erwägung desselben beten wir Christo nach; der große Sinn, in welchem Er Sein Wort gesprochen hat, gibt auch unserer Sterbensbitte ihren vollen Sinn, und es zeigt sich, wie verschiedene Menschen ein jeder dasselbe und dennoch ganz etwas anderes jeder in seinem Sinne selig und fröhlich thun können.


 Die tiefe Trauer des Charfreitags endet, meine Brüder, in Kraft des letzten Wortes JEsu, in einer tiefen Ruhe. Sein Opferlied, Sein Lied in höherm Chore, Sein gewaltiger freudiger Abschied bewirkt, daß wir nun bereits weniger auf unsere Sünden, die Ihm so weh gethan, als auf das gelungene große Opfer und auf den tiefen Todesfrieden hinsehen, den wir in Ihm finden. Sein entseelter Leichnam, Sein erblaßtes Angesicht, Sein leerer Tempel ist uns so schrecklich nicht, daß die Gedanken der tiefsten Beruhigung und des Hausfriedens Gottes uns darüber verloren giengen. Allerdings ist eine gewaltige Trennung vorgegangen: