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4. Was half Sein Thun, Sein Reden am Anfang Seiner letzten Qualen?


1.

 Also was thaten die Menschen dem ewigen Erlöser am Anfang der sechs bittern Stunden? – Sehen wir zur Lösung dieser Frage in den Text, hören wir fürs erste JEsu Worte: „Sie wißen nicht, was sie thun.“ – Fragen wir nach dem Thun, welches sie mit solchem großen Geräusche vollbringen und doch nicht wißen, noch kennen; so dürfen wir es zusammenfaßen in zweierlei, nämlich, sie kreuzigen den HErrn, – und zwar mitten unter zwei Uebelthätern. Das also, worauf sich der HErr in Seinen Worten bezieht, ist nichts anderes, als die Kreuzigung und deren Umstände; denn daß zwei Uebelthäter neben Ihm gekreuzigt wurden, darf man doch jedenfalls zu den Umständen der Kreuzigung rechnen. Durch diese Auffaßung aber scheint das Thun der Juden zusammen zu schrumpfen, gewissermaßen gering zu werden. Oder nicht? Ist es anders, als es scheint, und müßen wir nach einer beßeren Erwägung vielleicht sagen: Nein, dieß Thun schrumpft nicht zusammen; nicht klein, nicht gering, nicht unbedeutend ist es, sondern im Gegenteil, recht angesehen, ist es die ungeheuerste That, die je begangen wurde? Was werden wir urteilen? So wahr wir nüchtern sind, nicht das erste, sondern das zweite. Was am Charfreitagmorgen die Menschen an Christo gethan haben, das ist einzig in seiner Art, unerhört, und wird ebenso in der Ewigkeit von einem Aeon bis zum andern angesehen werden. So empfänglich für die Macht und Gewohnheit ist der Mensch, daß ihm das Größte gering