Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/36

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4.

 Dir müßen alle Herzen zufliegen, alle Geister zueilen: das gebührt Dir, das erkenne ich. Aber wenn ich nun von Deinem betenden Auge und Munde den Blick auf diejenigen wende, die Dein Gebet gehört haben: zeigt sich bei denen eine solche Wirkung Deiner Leiden? Die Knechte, die JEsum gekreuzigt hatten, ich weiß nicht, welcherlei Volk, und was für eine Klasse von Herzen sie gewesen sein müßen, – auch nicht, ob sie die Sprache des großen Beters verstanden haben, ob sie nicht Fremdlinge in Israel gewesen sind. Das aber lese ich, daß sie sich in JEsu Nachlaß theilten und das Looß um die Kleider warfen. Und das Volk stund und sah zu. Und die Obersten sammt ihnen spotteten Sein und sprachen: Er hat andern geholfen, Er helfe Ihm selber, ist Er Christ, der Auserwählte Gottes. Es verspotteten Ihn auch die Kriegsknechte, traten zu Ihm und brachten Ihm Essig und sprachen: Bist Du der Juden König, so hilf Dir selber. Also keine Wirkung auf alle diese Menschen. Im Himmel ist die Wirkung des Gebets groß und unermeßlich, daß seine Säulen halten und die Geduld des Allerhöchsten nicht reißt, aber auf Erden zeigt sich keine augenblickliche Wirkung, ausgenommen das sichtliche Verschonen der Bösewichter, die nun noch spotten dürfen in Kraft des Gebetes, anstatt gestraft zu werden. Damals zeigte sich bei Sem, Ham und Japhet keine Wirkung zur Beßerung und zum Heil; aber es kam doch eine Wirkung, und ihr großer Tag dämmerte schon am Abend des Charfreitages, da dies blinde Volk an seine Brust schlug und gedankenvoll umkehrte zu der heiligen Stadt. Ein Morgenroth der Wirkung kam über