Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/68

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

angefangen. Kaum wird ein anderes von den sieben Worten so viele und mannigfaltige Gedanken hervorrufen, wie gerade das Wort Christi, von dem wir reden, und die demselben vorausgegangene Geschichte. Reißen wir uns aber jetzt von allem anderen los und versenken unsere Blicke und Gedanken ganz in die Worte JEsu, die Er zu dem Schächer gesprochen hat: „Wahrlich sage ich dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“ Vergleichen wir diese Rede JEsu mit dem Gebet des Schächers, so finden wir, daß zwar allerdings aus dem Munde JEsu eine große Verheißung kam, daß aber diese Verheißung dem Gebete, welches sie beantwortet, unähnlich ist. Der Schächer bittet ein Genoße JEsu in Seiner herrlichen Wiederkunft zu sein, JEsus aber verheißt ihm Seine Gesellschaft im Paradiese. Da könnte man also allererst draus schließen, daß die Rede des Schächers Unstatthaftes gebeten habe, und daß ihm von Christo anstatt des Unstatthaften über das Bitten und Verstehen des Beters hinaus das Beßere zugesagt wurde. Allein, meine geliebten Brüder, wir wollen uns doch ja nicht irren, sondern unsere Ansicht verbeßern, ehe wir sie festsetzen. Der Schächer glaubt von einem zukünftigen Reiche Christi in der Herrlichkeit ganz dasselbe, was die Apostel glauben und was Christus vorhatte. Der Schächer hat sich in der Hoffnung eines dereinstigen herrlichen Reiches JEsu keineswegs geirrt, und wenn seine Rede und Bitte einen Irrtum enthalten sollte, so mußte dieser allein darin bestehen, daß er für sich etwas erbat, was gerade ihm nicht werden konnte. Da ihm nun aber der HErr durchaus keinen Abschlag gibt, indem Er ihm etwas anderes von ihm Unerwartetes verspricht; so könnte es gar wol sein, daß dem