Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/74

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Nachfolger des Schächers werden dürfen. Da können die Lebenden und die Sterbenden jubiliren: „der den Schächer angenommen, ist auch mir zum Heil gekommen“, und wir können uns angeleitet fühlen, den Schächer als Erstling und Herzog von uns allen anzusehen.


 Zum Schluße, meine Brüder, will ich kühnlich reden. Ich weiß, daß auch die Geschichte mit den beiden Schächern und der Inhalt des Wortes JEsu an den bußfertigen unter ihnen eine Leidensstufe des HErrn bezeichnen kann. Reißt Er Sich im zweiten Worte von den Seinen los mit Abschiedsschmerzen, so reißt Er Sich im dritten vom Leben selbst los und geht entschloßen in den Zustand der Trennung Leibes und der Seele und in das wunderliche Leben der außer dem Leibe wallenden Seele ein. So sehr das Paradies tröste, es ist hier Todeserfahrung und die will für den Erlöser, der keinen Keim des Todes in sich trägt, etwas sagen und heißen, was wir Kinder des Todes nicht ermeßen können. Aber, meine Freunde, wie gesagt, ich will kühnlich reden, denn ich glaube, daß man sagen kann, daß diese Geschichte am Kreuze und dieß Wort vom Kreuze von den Freuden des Gekreuzigten mitten in Seiner großen Pein ein großes Zeugnis ablegt. Als die Kräfte Seines heiligen Geistes von Ihm ausgiengen und für Sein Auge sichtlich an dem Schächer arbeiteten; als das Werk gelang, und die Seele des großen Sünders sich dem Geiste hingab, und sich in einer Kürze von einer Stufe der Heilsordnung zu der andern führen und heben und verklären ließ; als die Schächerspredigt vom Kreuze ergieng und