Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/80

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

von dem aus sich die Seele bewogen finden kann, sich dem Reiche der Natur mit innigerer Liebe zuzuneigen und mit Verlangen auf die Lösung aller der scheinbaren Widersprüche zu warten, welche zwischen dem Naturreich und Gnadenreich obwalten. Aber es ist nicht die Finsternis, die wir heute zu betrachten haben, sondern unser eigentlicher Text ist das mittlere oder vierte Wort JEsu am Kreuz, zu welchem sich diese Finsternis nur wie ein Eingang verhält und nur wie eine die Geschichte begleitende Scenerie. Wir haben das mittlere Wort JEsu mit dieser Finsternis zu verbinden, aber nicht an den Anfang, sondern an den Schluß derselben zu sezen. Die drei ersten Worte JEsu vom Kreuz beschäftigen sich mit Seiner Umgebung, mit der feindlichen Menschheit, mit der Kirche der Seinen, mit den armen Schächern und Sündern, die Er zu sich führen will. Nach diesen Worten aber scheint eine tiefe Stille eingetreten zu sein, während welcher im Himmel und in dem Geiste und der Seele JEsu Dinge von unaussprechlicher Wichtigkeit vorgiengen und tatsächlich die innersten Fragen der Erlösung erledigt wurden. Ueber diesen stillen Stunden, an deren Grenze das vierte Wort des HErrn steht, und nach welchen sich alle die lezten Reden JEsu rasch entwickeln bis zur lezten großen Leidensthat, liegt ein Dunkel und eine Nacht der Unwißenheit, für welche die leibliche Dunkelheit und Finsternis um den HErrn her nur der entsprechende äußerliche Ausdruck ist. Es wird vielleicht der Schule aufbewahrt bleiben, welche der HErr in der Ewigkeit mit uns halten wird, in die Gottes- und Menschensohnes- und Satanstiefen der großen Finsternis einige Aussicht zu eröffnen. Hier auf Erden leistet uns die äußere und innere, leibliche und geistliche, lange,