Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/86

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den der Teufel in seiner unrettbaren Verdammnis – denn Gottverlaßenheit ist doch gewis Verdammnis, – in finsterem Brennen fühlt, zu deßen Ertragung Er seine eiserne, stählerne, diamantene Verhärtung anwendet, obwohl es ihm nicht gelingt, – der Zustand des Satans und seiner Verfluchten, der ists, welcher nun in die weiche, sanfte, reine Seele des Gekreuzigten ausgegoßen wird, und den Er nunmehr zur Versöhnung aller Kinder des Todes zu schmecken hat. Er selbst hat nie, seitdem Er im zeitlichen Dasein gewesen, auch nur mit einem Gedanken Seinen himmlischen Vater verlaßen; auch Ihn verließ der himmlische Vater nie, sondern Sein vollkommenes Wolgefallen ruhte unablässig auf Ihm und in Ihm; das Herz des Heiligen in Israel hatte bisher niemals auch nur mit der leisesten Ahnung den jammervollen Zustand der Gottverlaßenheit erfaßt, diese Höllenqual, diese Noth des ewigen Todes; aber jetzt hat er nicht bloß eine Ahnung, oder ein Gefühl, sondern er hat die volle Erfahrung, und Seine heilige reine Seele ist nun belastet mit demjenigen, was den Satan, seine Engel und die verlorne Menschenseele ewig belasten wird. Es kann nicht ewig auf Ihm bleiben, denn der Vater hat Ihm gegeben, das Leben zu haben in Ihm selber, das Leben aber, das älter und mächtiger ist, als der Tod, muß wol den Tod überwinden; aber das ist eben nunmehr die Aufgabe des Erlösers geworden, in den drei bangen finstern Stunden für uns alle den Tod zu schmecken, den Tod der Gottverlaßenheit; in diesem Dulden, diesem Leiden, dieser Noth ist Er jetzt. Er weicht deswegen von dem Gott nicht, der Ihn verlaßen hat, sondern Seine Seele läuft ihm sehnsüchtig nach. Wie einst Jakob an