Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/96

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Ich bin reich in Dir und selig in Dir, schon in der Zeit, und wie erst in der Ewigkeit. Ich bin aber alles nur in Dir und durch Dich, und fühle mich nicht minder gedemüthigt, als erhoben, nicht minder jetzt klein, als beim Eingang dieser meiner Rede: ich bin selig, aber doch nur ein Stäublein, das in Deinem Sonnenstrahle tanzt, ein Nichts, das Du zu etwas gemacht hast durch Deine Vernichtigung am Kreuze, wenn man so sagen könnte; ich bin so nichts, so arm, dazu so bös, daß ich von Deinem vierten Worte heute nur Abschied nehmen kann, indem ich versuche, eine mir ebenso unbegreifliche Parallele zu ziehen. Du rufst in tiefstem Jammer: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlaßen? Ich rufe zerknirscht und dennoch selig entgegen: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich nicht verlaßen, warum mich erwählt und berufen und gesammelt und erleuchtet und gerechtfertigt und geheiligt und bis hieher erhalten, – warum wirst Du mich auch vollenden? Warum, rufe ich, nicht weil ichs nicht wüßte, sondern ich frage es, weil mich die Antwort drängt und treibt, und ich sie vor aller Welt geben und bekennen möchte: Die Ursach, die Ursach, bist Du allein, HErr JEsu, und Deines Vaters freie Gnade. Amen!