Seite:Wilhelm Löhe - Zum Gedächtnis meines Pathenkindes Lorenz Wilh. Friedr. August Kündinger.pdf/18

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auf daß ich recht kühnlich und zuversichtlich rede. Wißt ihr, was nach dem ersten Schmerze mein nächstes Gefühl, mein nächster Gedanke gewesen ist? Mein erster Gedanke war: „JEsus lebt! Gelobt sei JEsus Christ! Er hat alles wohl gemacht!“ Ja, ein lautes Zeugnis, daß JEsus lebt und auf diese trauernde Familie ein Auge voll treuer Hirtenliebe wendet, – das war mir der Tod dieses Sohnes.

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 Er ist jung gestorben, aber, meine Freunde, wenn man auf der einen Seite einem jungen Menschen einen langen, siegreichen, ewig ehrenvollen Vollendungskampf wünscht: so hat doch die Jugend so viele Gefahren und namentlich der Jugend unserer Zeit lauert das ewige, ja auch zeitliche Verderben in so mannigfachem Hinterhalt auf, daß es einem um jede junge Seele bang wird, die dahinein muß in dies brausende Meer der Anfechtung. Ach, meine Freunde, ich gestehe es euch frei, daß ich diese Jugendgefahren gerade für die Jugend auf den gelehrten Schulen sich noch drohender erheben sehe! Ach, was für ein Geist herrscht oft auch auf den Schulen, denen Gott die treuesten, sorgsamsten Lehrer und Pfleger geschenkt hat! Wie wenn August diesen Gefahren erlegen, wie wenn er nicht bloß den Grad der ewigen Ehren, sondern auch die Seligkeit, ich sage, die Seligkeit verloren hätte! Weißt du’s, wie’s gegangen wäre? Sieht Gottes Auge nicht klarer, als deines? Es ist wahr, es hätte auch gut hinausgehen können? Aber du weißt doch nichts! Vielleicht geht es gerade in diesem Falle, wie der Sänger singt: „Dort werd’ ich das im Licht erkennen, was ich auf Erden dunkel sah, – das wunderbar und heilig nennen, was unausforschlich hier geschah, – dort denkt mein Geist mit Preis und Dank die Schickung im Zusammenhang!“ – – Und noch etwas, meine Freunde! Ich weiß nicht, ob es Euch schon so gegangen ist; aber mir ist es schon so gegangen: ich hatte beim Tode manches theuern Freundes in mir die bestimmte, persönliche Ueberzeugung, daß für ihn im Leben