Seite:Wilhelm Löhe - Zum Gedächtnis meines Pathenkindes Lorenz Wilh. Friedr. August Kündinger.pdf/4

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1835, früh 3 Uhr. Sein Vater, Herr Johann Leonhard Kündinger, nunmehr Pfarrer dahier, war damals Pfarrer zu Unternesselbach bei Neustadt a/A. Seine Mutter ist Frau Sibylla Margaretha, geborene Sauer von Kraftshof. Am 6. Februar 1835 wurde der Knabe von seinem Vater getauft, und seine Taufpathen waren: 1. Herr Lorenz Kraußold, damals Pfarrer zu Aufsees, nunmehr zu Fürth, 2. der damalige Pfarrverweser bei St. Aegydien in Nürnberg, Wilhelm Löhe, nunmehr Pfarrer in Neuendettelsau: Die Stelle der Pathen vertrat Fräulein Caroline Ritter, Tochter des vormaligen königl. Rentbeamten Ritter in Fürth. August war das vierte Kind seiner Eltern und nach drei Mädchen der erste Sohn. Er war dem Leibe nach ein schwächliches Kind, gedieh aber unter sorgfältiger Wart’ und Pflege wohl und ließ bald dem Geiste nach gute Fähigkeiten wahrnehmen. Kaum fünf Jahre alt, genoß er bereits Elementarunterricht theils bei seinem Vater, theils bei dem damaligen Cantor von Unternesselbach und dem Schullehrer dahier. In einem Alter von 71/2 Jahren kam er in die Vorbereitungsschulen des Gymnasiums und der lateinischen Schulen zu Nürnberg und blieb daselbst 11/2 Jahre. Darauf wurde er in das Waisenhausinstitut zu Windsbach gebracht, wo er fünf Jahre lang den Unterricht empfieng und die lateinische Schule absolvirte. Im vorigen Jahre, eben um diese Zeit, wurde er nach vorgängiger Prüfung in die erste Gymnasialklasse zu Ansbach aufgenommen und brachte in derselben sein letztes Schul- und Lebensjahr zu. Schon im letzten Jahre seines Aufenthalts zu Windsbach hatte er den Confirmandenunterricht empfangen, und wurde sodann von seinem Vater dahier confirmiert und zum erstmaligen Abendmahlsgenuß zugelaßen. In den Osterferien dieses Jahrs gieng er zum dritten Male zu Gottes Tisch und zum viertmaligen Genuß begehrte er in diesen Herbstferien zu kommen. Zuvor sollte und wollte er noch eine kleine Reise zu Anverwandten in Deiningen bei Nördlingen