Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/126

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Predigt, welche ich oben hielt, einen unerwarteten Antrag, er wolle in Wüstenstein eine Pfarrei zu gründen und das Patronatsrecht zu erhalten suchen, wenn ich dann die dort zu gründende Pfarrei annehmen wolle. Meine Antwort war: ,Ich sei zu allem bereit, wozu ich einen bestimmten Ruf erhielte, er solle thun, was er nicht unterlassen zu können glaube, und mir seiner Zeit Nachricht geben.‘ Die arme, verlassene, verrufene Gemeinde ist im besten Einverständnis mit Herrn von Aufseß, sehnt sich nach einem Hirten, Decanat und Consistorium sind desgleichen für die Sache. Sie ist im Gang, der Ausgang aber ist ungewiß.

 „Der Plan ist: ,Ich solle nach Beendigung meines ersten Candidatenjahres als Verweser dorthin gehen bis auf Weiteres.‘

 „Damit nun der Verwesung keine weiteren Hindernisse in dem Wege stünden, wäre zu wünschen, daß ich zuvor unter Aufsicht eines älteren Geistlichen in der Seelsorge und den übrigen Geschäften arbeitete. Dies, sowie den bisherigen Gang der Sache haben mir diesen Morgen meine beiden Freunde Kündinger und Kraussold eröffnet und mich aufgefordert, Ihnen mit Vertrauen bei Ihrem zunehmenden Alter und öfter wiederkehrender Kränklichkeit meine jugendliche Unterstützung in Ihrem Amte anzubieten, Sie dagegen wiederum um Ihr Vertrauen und väterliche Leitung zu bitten.

 „Die beiden Freunde haben mir erlaubt, sie als Urheber dieses Gedankens zu nennen. Indessen schäme ich mich, daß ich ihn nicht seiner Zeit gehabt und Ihnen mit kindlichem Vertrauen entdeckt habe.

 „Es ist damit nicht gemeint, theuerster Herr Bruder, daß Sie mich zu Ihrem vollständigen Vicar machen, sondern mit Hintansetzung aller in eben benanntem Fall gewöhnlichen Bedingungen mir erlauben möchten, in den Fällen Ihr Vicar zu