Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/14

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Streit über die Herrschaft hat Fürth berühmt gemacht, es sind Folianten über denselben gedruckt. Noch jetzt führt die Stadt wegen der dreigespaltenen Herrschaft ein Kleeblatt im Wappen. In meiner Jugend war Fürth viel kleiner. Seit ich herangewachsen bin, sind Kirchen und Spitäler und Rathhaus und Brücken und lange Straßen ganz neu aus dem Boden gestiegen. Es ist alles so anders worden, daß ich vor ein Paar Jahren bei hellem Mondenschein in einer neuentstandenen Straße die Richtung zu meinem Vaterhaus verlor, wie wenn ich Lethe getrunken hätte. Meine Vaterstadt besteht fast ganz aus Mittelstand. Eine Masse von Emporkömmlingen arbeiten rastlos um Brod und irdisches Glück, und eine zahlreiche Judenschaft (die große Killa Deutschlands) ist seßhaft.




2. Meine Abkunft.

 Eine Straße zunächst der Hauptkirche St. Michael heißt Gustavstraße. In dieser Straße bildet ein Gasthaus (zum grünen Baum) eine Ecke. Da stieg König Gustav Adolf von Schweden ab und wohnte drin, als er den auf der alten Veste verschanzten Wallenstein angriff, und noch jetzt findet man Gustav Adolfs in Leder gepreßtes Bild an einer Wand. Von diesem Hause hat die Straße den Namen, und da wohnten meine Väter. Mein Vater, eines Gastwirths Sohn, ein in der Jugend nicht blos großer, sondern wie Zeitgenossen sagten, „bildschöner“ Mann, blieb nicht in Fürth; er wurde Kellner zu Heilbronn in Schwaben. Als er in stattlicher Pracht heimkehrte, heirathete er meiner Mutter ältere Schwester Clara und nach deren frühem Tode meine Mutter Maria Barbara, eine geborene Walthelm.

 Mein Großvater Walthelm ist zu Mühlhausen in Thüringen geboren. Er lernte das Gürtlerhandwerk und kam auf der