Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/156

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bald gieng in dieses Mannes Seele eine wunderbare Veränderung vor, und seine im Grunde nicht unedle, wenn auch verkommene Natur wurde unter dem Einfluß der Gnade von ihren Schlacken gereinigt und mehr und mehr ins Bild Christi verklärt.

 Wie oft bewunderte Löhe Georgs Fortschreiten im Guten und bekannte, daß er Ursache habe, sich innerlich vor ihm zu schämen. Für Löhe war es ein freudenreiches Schauspiel, der Arbeit des Geistes Gottes an dieser Seele zusehen zu dürfen. „Heute“ – lesen wir in seinem Tagebuch vom 28. December 1831 – „begleitete ich mit Pfarrer Georg unsere Gäste auf den Berg nach Münchberg zu. Es war ein kalter, frischer Wintermorgen, vom Berg herab sah man so schön herein ins kalte, leise mit Schnee bedeckte Thal. Und neben mir gieng die aufwachende Georgen-Seele voll Ahnung und kämpfender Seligkeit. Ach befestige, heilige ihn in Deiner Wahrheit.“ Schon die nächste briefliche Aeußerung Löhe’s über Georg lautet um ein Bedeutendes hoffnungsreicher als seine erste. „Freuen wird Dich’s, was ich über den hiesigen zweiten Pfarrer Georg zu schreiben habe. So oft ich mit ihm rede, hat er immer weniger gegen unseren theuren Glauben einzuwenden: er ist sehr gutmüthig und ich muß mich manchmal vor ihm schämen. Vorigen Mittwoch hatte er die Adventspredigt, die evangelisch war; und sehr sehr evangelisch, warm und schön war die Beichtrede, die er gestern 95 Beichtkindern und mir hielt. O, wenn er das Wirthshaus ganz lassen könnte; es fehlt ihm, scheint es, fast nichts als eine bessere Gesellschaft. Die Vorgottesdienste, die er hält, sind erheblich, es ist heimlich und schön in unserm Kirchlein. Wenn nur Georg ganz unser Bruder würde.“

 So wars freilich nicht, daß das Werk der Bekehrung bei Georg immer stillen und gleichmäßigen Fortgang hatte. Es