Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/158

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er mit dem Candidaten B., der auch ein Zweifler ist, aber kein böser. Da brachte das Gespräch wieder manches in Ordnung.

 „Am andern Tag hatte ich wieder eine Leichenpredigt, und er begleitete mich bis in die Sacristei und sprach: ,Ich will doch mein Vertrauen auf Gott nicht sinken lassen und in Gottes Namen auch Dir mein Vertrauen nicht entziehen. Habe Geduld mit mir! Strafe mich nur und schone nicht, ich will Dirs ewiglich danken.‘ Du lieber Gott! Nun wars wieder gut und geht nun seitdem besser. Bet, lieber Bruder, auch für Deinen Bruder Georg.“

 So kämpfte es in dieser Seele, doch wurde das Gericht in ihr hinausgeführt zum Siege.

 Bald wurden Löhe und Georg unzertrennliche Freunde. Bereits am frühen Morgen um 1/26 Uhr lasen sie mit einander ein Kapitel aus der hebräischen Bibel und in der Regel kamen sie zwei- bis dreimal des Tags zu gemeinschaftlichen Studien oder auch brüderlichem Gespräch zusammen. „Wir streiten alle Tage mit einander und können doch nicht von einander lassen“, sagt Löhe von diesem Zusammensein. Fiel in der Hitze des Disputierens manchmal ein herbes Wort, so folgte gewiß der Beleidigung eine Abbitte auf dem Fuß, um jede Gefahr einer Spannung oder Entfremdung schon im Anfang zu beseitigen. Beide beichteten sich gegenseitig, wenn sie zum Sacramente giengen, sie theilten Freud und Leid, auch Schmach und Verfolgung mit einander. Ihre Freundschaft war selbst beim Consistorium bekannt, so daß ihrer in tadelnden Rescripten Erwähnung geschah. Daß bei täglich mehrfachem Zusammensein während mehrerer Jahre sich dieses Freundschaftsverhältnis nicht abnutzte, sondern ungetrübt auch über die Zeit des beiderseitigen Aufenthaltes in Kirchenlamitz bis zum frühen Tode Georgs fortbestand und fester wurde, mag ein Beweis von dessen Innigkeit und