Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/16

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Großvater Bürgermeister wurde und von den Stadtämtern nicht mehr frei werden konnte.

 Vor diesen ihren Eltern hat meine liebe Mutter, so lang ich mir denke, so große Ehrfurcht kundgegeben, daß ich ihr schönes ruhe- und ehrenreiches Alter immer als den Segen des vierten Gebotes auslegte.

 Meine Großmutter starb zuerst. Mein Großvater heirathete wieder, starb aber dann schnell und hinterließ eine Wittwe, welche nach seinem Tode eine noch lebende Tochter gebar. Die Wittwe heirathete nachmals einen Wundarzt, war eine strenge, bibelfeste Christin und wie ihre Tochter eine mit starkem Ahnungsvermögen begabte Frau. Es hat mich immer gewundert und nicht angenehm berührt, daß meine Stieftante meiner Mutter gegenüber so ehrerbietig stand und steht; sie redet meine Mutter mit „Sie“ an. Und doch haben sich beide herzlich lieb.

 Nach dem Tode des Großvaters kam das Haus und Geschäft an meinen Vater oder vielmehr an Clara, hernachmals an Barbara Walthelm.

 Mein Vater war eine ernste große Männergestalt, stark am Leib, ein Mann von echtem Schrot und Korn. Im Benehmen hatte er jene Freundlichkeit und dabei gutmüthigen Witz, die an starken Männern so wohlgefallen. Obwohl im Geschäft gesegnet, ein Nachfolger des Großvaters Walthelm in den Stadtämtern, trachtete er doch nicht nach hohen Dingen. Ueber die Gasse hinüber findet man jetzt noch ein kleines Schenkhaus. Da saß er des Abends mit den Nachbarn. Er hatte die Gabe zu


    Ewigkeit segnen wolle, und Dein Herz und Sinn lenken und regieren wolle, daß Du Deiner Liebsten und dero werthe Eltern alle Zeit mit Gehorsam, Lieb und Freundlichkeit entgegen gehest.

    Deine getreue Mutter 
    Anna Catharina Valtheim.