Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/175

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ist er nach einigen Misgriffen an die gekommen, die ich ihm seit Jahren im Herzen gewünscht habe. Sie ist mein Glaubenskind und nun doppelt meine liebe Schwester. – Du beliebst meinetwegen zu spaßen. Ich bleibe bei dem: ,ein Vicar soll keine Braut haben, wenn er kann.‘ Sonst gäbe es Bräute genug.

 „Meine Seele sei eine Jungfrau (ists aber leider nicht) und der HErr sei ihr Bräutigam. Ich bitte

um ein göttliches Gemüthe,
einen königlichen Geist,
mich mit Gott verlobt zu tragen,
allem freudig abzusagen,
was nur Welt und Weltlust heißt.

 „Lebe wohl! Der Herr liebt Dich und mich und vergibt uns täglich alle Sünde reichlich.

 „Gelobt sei Jesus Christus!

Dein treuer Bruder
W. Löhe.“ 




 „Herzlich gegrüßt sei, Bruder P.!

 „Hab Dank für Deinen lieben letzten Brief, auf den ich lange wartete.

 „Mein Bruder, Du hast ein dornenvolles, sumpfiges Stück Weinberg für Deinen Antheil. Leite Dich, thue das Werk eines evangelischen Predigers, halte an! Erinnere Dich, daß wir Gehülfen eines Säemanns sind, dessen Erntetag noch nicht gekommen ist, daß wir also nicht auf das Ernten, sondern auf treues Ausüben des Saatgeschäftes angewiesen sind... Gerne wollte ich eine Sammlung für Carlshuld anstellen, wenn das in unsrer Gemeinde angienge. Der größte Fehler der letzteren ist Geiz, und wer nicht geizig ist, ist verschuldet und arm. Beiderlei