Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/21

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 Mein Schwager legte später aus Gründen der Redlichkeit, ungezwungen, völlig frei seinen Handel nieder und übernahm die Cassen seiner Vaterstadt. Meine Schwester ist bereits Großmutter zu vier Enkeln. Ihre älteste Tochter, ein schönes und frommes Mädchen, fand in meinem Hause, dem sie zeitweise vorstand, seitdem ich Wittwer bin, einen frommen Mann, den Inspector des bayerischen Pfarrwaisenhauses in Windsbach, eine Stunde von hier, Namens Christian Hensolt. Ihre beiden ältesten Söhne studieren in Erlangen Theologie und sind mit mir Ein Herz und Eine Seele, reichlich begabt an Geist und Herz. Die übrigen Kinder wird Gott nicht minder segnen.

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 Meine jüngste Schwester Dorothea ist vier Jahre älter als ich. Zwar auch sie war ein wenig in die Welt gezogen; aber ein ernster sittlicher Wille regierte sie von Jugend auf, und da sie bald in die Ehe eintrat, hatte sie wenig Zeit, der Welt zu dienen. Sie stand mir von Jugend auf zur Seite, und es war je und je ein inniges Verhältnis zwischen ihr und mir. Wir lernten als Kinder zusammen mit vielen andern tanzen; es war uns aber Pein, und einmal ergriff sie mich bei der Hand und ermunterte mich, den Tanzsaal mit ihr zu verlassen, was ich gerne that, da ich von den gewöhnlichen drehenden Tänzen ohnehin schwindelig wurde. – Sie war weniger leichter Bewegung, als Babette, aber allewege reichlicher begabt, auch für Musik, nur nicht für Sprachen, so gut und schön sie deutsch schreibt. Eine Jugendfreundin von ihr, Ehefrau des Brillenfabrikanten Erhard Schröder, starb sehr frühe, und meine Schwester wurde ihre Nachfolgerin. Sie war die erste unter meinen Geschwistern, welche in die Ehe trat, und was alles hat sie gelitten an Leib und Seele! Wie manche Nacht habe ich an ihrem Krankenbette durchwacht und an