Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/23

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so voll Liebe, daß sie uns alle gern zu dem machte, was wir sollen. In kleinen Fällen zuweilen ängstlich, findet sie bei großem Unglück, das sie oft erfahren, Flügel und Stärke. Sie lebt in täglicher Bereitung auf ihre selige Heimfahrt, ist unablässig im Hause des HErrn, liest, betet, singt und ist je länger, je empfänglicher und jünger für Gottes Wort. Ihr Todtenhemd, von eigener Hand, liegt fertig im Schrank, ihr Testament daneben. Der HErr aber gibt ihr Gnade, ein stilles, ehrenreiches Alter. Kinder, Enkel und Urenkel sind um sie her, und sie selbst, obschon vom Alter klein und gebeugt, ist doch immer noch rüstig und gutes Muths. – Wie oft tritt mir die Thräne in das des Weinens ungewohnte Auge! Wie oft ruf ich elender Sünder, der ich tausend und aber tausendmal ungehorsam war, aus:

„Dort werd ich Der den Dank bezahlen,
Die Gottes Weg mich gehen hieß! etc.“

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 Das ist meine Familie, meine Herkunft.




3. Meine Kindheit.

 Mein Vaterhaus – nicht das obengenannte Stammhaus in der Gustavstraße, ist in der ehemaligen Frankfurter, nun sogenannten unteren Königsstraße, wo sich diese zur Rednitzbrücke neigt. Schief gegenüber ist das „Geleitshaus“ der alten Markgrafen, jetzt das „Stadtgericht“. Es ist ein groß aussehendes Eckhaus mit hohem Giebel. Kurz ehe ich geboren wurde, baute mein Vater aus Mangel an Platz ein Nebengebäude, das wir von seiner Form gerne das „Nähpult“ nannten. Dies Nebengebäude steht mit dem Hauptgebäude in rechtem Winkel. In diesem Winkel läuft an beiden Gebäuden ein hölzerner Gang herum, zu welchem Thüren der Gebäude