Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/30

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Thüre eines Zimmers, und hatte, meines Aufzugs spottend, eine Leichenprezel in der Hand. Da kam der Kirchner als Ceremonienmeister und forderte zum Aufbruch auf. Der große Ernst des sonst komischen Mannes brachte mich zu lautem Lachen. Ich steckte die Prezel in die Tasche, ergriff den Kranz und begleitete meines Vaters Leichnam zu seiner Gruft. Da wurden Reden gehalten, und während einer derselben, es war die des Decans, wenn ich mich recht erinnere, übermannte mich plötzlich der Schmerz, mich verlangte zum Vater und ich mußte gehalten werden, um nicht lautschreiend in die Gruft zu springen. Als nun aber der Leichenzug umkehrte, da griff ich in meine Tasche, zog die Prezel heraus und hätte gegessen, wenn mir’s nicht vom Kirchner verwehrt worden wäre. – Ein solches Widerspiel war je und je in mir!

 Mein Vater war geraume Zeit gestorben. Es war ein prächtiger Sommerabend. Ich saß vor dem Hause auf dem Ruhestein und sah die Straße hinab, die von der untergehenden Sonne prächtig glänzte und an der Rednitzbrücke in offene Himmelspforten voll Licht und Klarheit zu münden schien. Die Sonne gieng unter, mir kam der Gedanke, daß so auch meine Sonne, nämlich meine Mutter, von mir scheiden könnte. Von Jammer hingerissen sprang ich auf, lief zur Mutter, schlang die Arme um ihren Leib und rief ihr, der Erstaunten, den Jammer zu, daß auch sie, wie die Sonne, sterben müsse. Meine Schwester Anna stillte mich. Indeß wurden die Sterne am dunkeln Himmel sichtbar, und meine Anna setzte sich mit mir auf den Stein vorm Hause, zeigte mir die Himmelspracht und redete mir von sapphirnen Gassen, auf denen ich dermaleins mit den Meinigen wandeln sollte.

 Ein andermal gieng wieder zur Aerntezeit die Sonne unter. Ich hatte ein Stück Brod und aß und legte mich dabei