Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/33

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lieber als den Religionsunterricht in der Schule, der sich pur auf Sittenlehren bezog und nichts weniger als evangelisch war.

 So sehr mir die Schulen mißfielen, so sehr fehlte es doch auch an mir. Ich war nicht fleißig, nicht ernst genug, und es hat mir je und je an Wortgedächtnis gefehlt. Ich kann bis heute den kleinen Katechismus Luthers nicht fest und kein einziges Lied gewiß und sicher, weil ich dergleichen auch in der Jugend nicht fest einzuprägen vermochte.

 Meine Mutter schickte mich bald, ehe ich 10 Jahre alt wurde, in die lateinische Schule. Bald fieng ich an, nebenher, in Privatstunden, Französisch, Italienisch, Englisch, Geometrie und Zeichnen zu lernen. Violinspielen hatte ich noch bei Lebzeiten meines Vaters angefangen. Späterhin kamen auch griechische Privatstunden dazu. In meinem zwölften Jahre waren alle Stunden des Tages vom Morgen bis Abend mit Unterrichtsstunden besetzt – und da ich vom zwölften Jahre an unausgesetzt in die Kirchen gieng, so war mein armer Leib ziemlich vergessen. Ich hatte zum Turnen keine Lust, außer zu Laufen und Springen, und meine körperliche Ausbildung ist daher sehr zurückgeblieben. Ich gab das Turnen eben so gern auf als das Tanzen. Möglich, daß in meiner früheren leiblichen Schwachheit (man nannte mich zum Unterschied von einem Vetter den „schwindsüchtigen Löhe“, weil ich so dünn war) ein weniger klar erkannter aber guter Grund lag, warum ich ungern turnte.

 Bis in mein zehntes Jahr habe ich trotzdem, daß ich über alles urtheilte, in Schulen wenig Lob geärntet. Von da an stand ich bis zur Universität meinen Mitschülern voran. Woher die schnelle Aenderung, weiß ich nicht. Im Allgemeinen kann ich sagen, daß ich wenig lernte, keinen einzigen Gegenstand recht. Daß ich doch voran war, lag an den unbedeutenden Forderungen und der noch geringeren Begabung meiner Mitschüler. –