Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/37

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Hauptpredigt folgt auf das Sacrament. Beim Sacrament war in der Regel außer den Communicanten niemand zugegen. Aber ich kam und mit mir ein alter, grauer Hospitalit. Die Fürther Hauptkirche hat einen langen, weiten Chor, der viele Communicanten faßt. In weiter Ferne von diesem Chor, dem Sitze der Communicanten, unter der Orgel war mein vom Vater ererbter Stuhl und der meines alten Genossen. Da standen wir miteinander sonntäglich in festlicher Stille, bis die ehrwürdige Greisengestalt des alten Stadtpfarrers Fronmüller aus der knarrenden Sacristeithüre trat und, die Hände über die Brust gekreuzt, das Haupt verneigend, zum Hochaltar gieng (damals hatte die Kirche noch zwei Altäre außer diesem) und hinter ihm die Diakonen. Der alte Pfarrer war so wenig musikalisch als ich, aber er hatte eine sehr schöne Stimme, und wie er die verba testamenti etc. sang, habe ich sie doch nicht wieder singen hören. Die Melodie, welche er sang, blieb mir im Ohr, und ich singe sie immer aus dem Gedächtnis, wenn ich durch Jesu große Gnade consecriere. Wenn dann der Alte consecriert hatte, dann sang der Cantor das dreimal Heilig mit hellem Hauf. Darauf warteten wir zwei fernen Hörer. Sowie der Cantor zu singen anhub, fieng der alte Hospitalit auch an mit kreischender Stimme mitzusingen und ich sang gleichfalls mit lautem Schrei drein. Ich sang in der Schule nie, weil ich merkte, daß ich keine Gabe hatte, aber beim Sacrament bekam ich Stimme, da sang ich, und es war mir diese Theilnahme am Sacrament große Feier und Freude.

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 Der Confirmandenunterricht dauerte in Fürth die alten sechs Wochen zwischen Ostern und Pfingsten. Jeder der drei Geistlichen gab allen Confirmanden Unterricht und zwar jeder täglich eine Stunde. Täglich (Sonntag und Sonnabend ausgenommen) hatte man drei Stunden. Ich habe leider von dem ganzen