Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/52

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non discendi modo sed etiam vivendi te invenisse puto[1] – gewiß eine seltene Anerkennung eines Schülers aus dem Munde eines so bedeutenden Lehrers. Allein trotz aller Hochachtung, die Löhe gegen seinen großen Lehrer schon damals hegte, fühlte er sich auf dem Gymnasium dennoch nicht glücklich. Mit Ungeduld sehnte er sich nach dem Augenblick, da er den Staub der Schule von den Füßen schütteln und „frei sein würde vom Stricke des Voglers“. Der Zwang der Schule war ihm schon als Knaben eine Pein gewesen. Die Anhänglichkeit an seine Familie und Vaterstadt trug auch nicht wenig dazu bei, das Gymnasialleben ihm zu verleiden. Zu alle dem kam auch noch, wie er selbst eingesteht, daß er den griechischen und römischen Classikern keinen besonderen Geschmack abgewinnen konnte. Nur etliche Biographien Plutarchs und des Sallustius bellum Catilinare las er mit Vergnügen. Er sehnte sich frei zu werden, um arbeiten zu können, „mit Lust, ungetrübt, nach eignem Sinn“.

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 Weit mehr Gefallen als an den lateinischen und griechischen Classikern fand Löhe an den deutschen, die er eifrig und mit Begeisterung las. Klopstock, Herder, Goethe, Schiller, Jacobi, Matthison etc. waren die Schriftsteller, aus denen er seine geistige Nahrung sog. Sein Lieblingsautor war damals Jean Paul. „Mit Ehrfurcht und Liebe“, sagt er einmal, „nahte ich mich tagtäglich der Lectüre meiner Lieblingsschriftsteller, zu keinem aber unter ihnen mit so besonderer heiliger Scheu, als zu Jean Paul Friedrich Richter. Er, dieser wahre Dichter, dem von oben herab ein befeuernder Strahl die Welt jenseits geöffnet, ist wahrlich ein Priester, wie sie bei den Alten waren, er steht in Dodonas Eichenhainen, die Kessel stoßen zusammen, die Eichen sausen, sein Aug am Himmel kündet er reine Weisheit etc.“ Wohl


  1. Zu deutsch: Ich glaube, daß Du nicht allein den rechten Weg des Lernens sondern auch des Lebens gefunden hast.