Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/61

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 Sie giengen bei Löhe in seiner Wohnung ab und zu. Die Woche vergieng still und ernst. Aber der Freitag Abend war der Vorabend, an dem sich die Fürther Gymnasiasten bereits auf den folgenden Tag freuten, da sie wieder nach Fürth kämen. Ein Handlungslehrling war unter ihnen, der im letzten Jahre, da Löhe auf dem Gymnasium war, auch Theil an diesen Unterhaltungen nahm, weil er bei Löhe auf der Stube war. Zwischen 5 und 6 Uhr kamen sie, setzten sich um den Ofen und plauderten über die Professoren und sonstigen Dinge, woran die Gymnasiasten Interesse haben; zuweilen verstiegen sie sich in höhere Dinge, sprachen über Kindererziehung und dergleichen. Dies gefiel dem Handlungslehrling nicht und er dachte sich seinen Theil dabei. Wenn aber Löhe sagte: „Wir wollen doch auch einmal wieder ein Concert aufführen“, da ward auch er vergnügt und übernahm auch seine Rolle, denn er wußte, daß sein Talent in diesem Fache dem der andern nicht nachstand. Es handelte sich auch gar nicht einmal um die Aufführung irgend einer künstlichen Composition, sondern nur um die Hervorbringung solcher Töne aus zwei Geigen, zwei Flöten, einem Piccolo und einem alten Clavier, die die Nerven so viel als möglich stärkten. Es wurde gegeigt, geblasen, gepfiffen und geklopft (Löhe tractierte gewöhnlich die Geige) so herrlich, daß es nicht lange auszuhalten war. Es wurde bald Stille geboten, und den Schluß machte in der Regel eine Arie aus einer damals beliebten Oper, die der Sänger so reizend vortrug, daß er davon nicht weniger entzückt war als sein Auditorium, wie er denn auch in den lebhaften Applaus desselben mit einstimmte, der sich nicht eher legte, als bis er auf dem Tische stand und seinen tiefsten Dank für die Anerkennung seiner Talente aussprach. Das war der Schluß. Die Gäste giengen hierauf fort. Darauf kam das Abendessen, bei dem Löhe mit seinem Stubengenossen