Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/66

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

war aber immer der gute M. Man konnte sich an diesem Kunstexemplar nicht genug sehen und lachen. Nur gar zu schnell kam der Mittag, und man mußte wieder an den Aufbruch denken, denn der Lehrling mußte ja den andern Morgen wieder auf seinem Posten sein. Nach dem Mittagsessen marschierten wir fort, liefen bei schönem Herbstwetter von 1/21 Uhr bis Abends circa 9 Uhr bis Eltersdorf, wo wir nur geschwind uns etwas Essen richten ließen, und die Fürther Glocke schlug gerade 12 Uhr, als wir einmarschierten. Das war eine Tour, die oft Gegenstand unsrer Unterhaltung Zeit unsres Lebens war. Weil Löhe dabei der Anführer und die Seele war, war diese Tour für uns alle, die wir noch mehr Reisen im Leben zu machen hatten, doch eine von den interessantesten. –

 Diesen Erinnerungen aus Löhe’s Jugendzeit, die wir der Hand seines Bruders verdanken, fügen wir noch einige andere zum Theil auch für seine spätere Entwicklung charakteristische Züge bei. So hatte Löhe z. B. es sich zum Gesetz gemacht, auf Grund von 2. Joh. V. 10. keinen zu grüßen, den er als Ungläubigen kannte. Er trieb es in der Consequenz hierin bis zu dem Grad von Unhöflichkeit, daß er an angesehenen Männern, die ihn so gut kannten als er sie, unentblößten Hauptes und ohne Gruß vorüber gieng.

 Eine weitere Absonderlichkeit war es, daß er in asketischem Gegensatz gegen die weltliche Mode längere Zeit durchaus keine passend und anschließend gemachten, sondern nur mehr oder weniger schlotterig sitzende Kleider am Leibe duldete, was ihm gewiß bei seinem ausgeprägten Schönheitssinn keine geringe Ueberwindung kostete.

 Eine andere Eigenthümlichkeit von ihm war es ferner, daß er es nicht über sich gewinnen konnte, die vortheilhaften Censuren oder Preise, die er von der Schule mit nach Hause brachte,