Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/72

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las, ließ ich ihn liegen und besuchte hinfort mit desto größerem Wohlgefallen Krafft’s Collegia. Diesen meinen Lehrer, der nicht nöthig hat, daß ich ihn hier weiter lobe, hoffe ich einst noch leuchten zu sehen, wie des Himmels Glanz und wie die Sterne immer und ewiglich Dan. 12, 3.“ Von da an saß Löhe, obwohl erst ein angehender Theologe, mitten unter den in den letzten Semestern stehenden Studenten regelmäßig zu Füßen des frommen Lehrers.

 Mit welchem Ernst und Eifer Löhe seine Studien betrieb, und wie er es schon damals verstand, haushälterisch mit seiner Zeit umzugehen, sehen wir aus einem Brief, in welchem er einem Freunde die Ordnung seines täglichen Lebens mittheilte.

 „Täglich beginne ich um 7 Uhr mein Tagewerk. Bis nach 8 Uhr vergleiche ich die lutherische Bibelübersetzung mit dem griechischen Text. Das ist für Dich schon überflüssig; täglich ein halbes Capitel aus dem neuen, ein halbes aus dem alten Testamente ist für Dich genug, zumal da Du Deine Kirchen und Religionsstunden hast. Um 8 Uhr hab’ ich täglich philosophische Moral bei Hofrath Mehmel zu hören. Um 9 Uhr habe ich Mittwoch und Freitag ein hebräisches Grammatikale bei Privatdocent Drechsler. Dann bin ich am Dienstag um 9 Uhr ganz frei, Montag und Donnerstag aber bei Kirchenrath Winer in einem vortrefflichen Collegium von 10–11 Uhr über theologische Einleitungswissenschaft. Länger als bis 11 Uhr habe ich Vormittags keine Collegia. Ich habe also Montags von 9–10, Dienstags von 9–12, Mittwochs von 10–12, Donnerstags von 9–10, Freitags von 10–12 und wieder Montags und Donnerstags von 11–12 Uhr frei. Unter diesen drei vormittägigen Collegien brauche ich mich nur aufs hebräische zu präparieren und das über theologische Einleitungswissenschaft muß ausgearbeitet werden.