Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/94

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dem Besuch der Vorlesungen, dem Privatstudium und der Erbauung durch Gottes Wort und Gebet. Zerstreuende Vergnügungen kannte er nicht, selbst Erholung durch Spaziergänge gönnte er sich nur in mäßigem Grade und nicht allzuhäufig. Die Kunst des „Auskaufens der Zeit“, die er später so meisterlich übte, verstand er bereits damals, Thätigkeit schien ihm schon als Jüngling „das Glück der Lebenszeit“ und angemessener Wechsel der Beschäftigung die angenehmste Erholung zu sein. Regelmäßig hörte er vier Vorlesungen: bei Hengstenberg Römerbrief und Hiob, bei Strauß Pastorale Katechetik, bei Neander Dogmatik, außerdem hospitierte er in verschiedenen Collegien. Bei der Reife und Fertigkeit seines Glaubensstandpunktes war es begreiflich, daß Hengstenberg unter den Professoren ihn am meisten anzog. Schleiermacher hat er, wie gesagt, nicht regelmäßig gehört. Einmal brachte er den berühmten Lehrer in eine gewisse Verlegenheit. Schleiermacher soll die Gewohnheit gehabt haben, beim Docieren irgend einen Gegenstand mit dem Auge fest zu halten. Eines Tages, als Schleiermacher eben in irgend einer wissenschaftlichen Deduction begriffen war, saß Löhe in seiner Nähe, den schon damals durchdringenden Blick des glänzenden Auges fest auf den Lehrer gerichtet. Da plötzlich schien dieser wie ins Stocken zu gerathen und den ruhig fortgesponnenen Faden seiner Entwicklung zu verlieren, worauf er sich rasch mit halb unwilliger Gebärde von dem ihn so unverwandt fixierenden Blick des Studenten abkehrte.

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 In seinen späteren Jahren bekannte Löhe oft, von Strauß für die Praxis des geistlichen Amtes am meisten gelernt zu haben. Er besuchte auch dessen homiletisches Seminar. In seinem Tagebuch schildert er uns die Feier einer Pfingstvigilie, welche Strauß in seinem Seminar veranstaltete. „Es wurden