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Und schmeichelt sich hindurch; der Schwache bebt

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Und stirbt im Tode. Sich unsterblich fühlt

Wer? als ein ewiges, unsterblich Selbst.

     Ambrosia, Frucht der Unsterblichkeit,
Ihr amaranthnen Lauben, ewig blühend
Der Freundschaft und dem daurenden Verdienst,

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Euch fand ein unbezwingliches Gemüth,

Das nicht zum Moder sprach: „Du bist mein Vater!“
Zu Würmern, zur Verwesung nicht: „ihr seyd
Mir Brüder, Schwestern, Mutter!“ – Ruhig sah’s
Den Abgrund vor-den Himmel über sich,

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Und sprach: „was an mir stirbt, bin ich nicht selbst!

Was in mir lebet, mein Lebendigstes,
Mein Ewges kennet keinen Untergang.“

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Sechste Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1797, Seite 85. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_6.pdf/107&oldid=- (Version vom 1.8.2018)