Seite:Zerstreute Blaetter 6.pdf/187

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Hypothese bekennet also selbst, daß sie Wissenschaft zu seyn nicht begehre.

32.

„Man duldet aber, wo keine Wissenschaft statt findet, so manche Hypothese.“ – Man duldet sie, weil sie erläutert, weil sie zu etwas Gewißerem führet. Was erläuterte, wozu führte diese?

33.

Erläuterte sie etwa das Unglück der Elenden, der Gebrechlichen, der Unterdrückten? Nichts weniger. Vielmehr erbittert sie gegen das Schicksal, das also rächet und strafet. Sünden der Eltern an Kindern, Vergehungen eines vorigen Lebens, die uns die Anwendung und den Genuß des gegewärtigen rauben! Dazu unbewußt rauben, ohne daß ein vernünftiger bessernder Zweck erreicht werde! – Ueberhaupt ist der Begrif einer rächenden Gottheit, die da rächt ohne

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Sechste Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1797, Seite 165. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_6.pdf/187&oldid=- (Version vom 1.8.2018)