Seite:Zerstreute Blaetter 6.pdf/198

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geschehen kann; es kommt auf die Hand an, die sie führet. Ob ich z. B. eine moralische Wahrheit symbolisch oder in einer allgemeinen Formel erkenne, ist zum Lebensgebrauch gleich viel; gnug wenn ich sie lebendig erkenne und befolge.

46.

Wir bilden uns ein, daß unsre Vorfahren, wenn sie wieder kämen, unsre Zeiten bewundern würden. Verwundern würden sie sich allerdings; unsre Zeiten vielleicht auch bewundern. Den Fortgang des menschlichen Geistes nämlich in einzelnen und allgemeinen Wissenschaften, das Wachsthum der Erfahrung durch zusammenhangende Zeitalter, durch auf einander angewandte Künste, den erweiterten Wirkungskreis der menschlichen Vernunft, die ungleichgrössere Anzahl aufgeklärter Köpfe nach dem, was wir Aufklärung nennen; dies alles würden sie mit Verwunderung anstaunen, und vielleicht lange nicht begreifen.

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Sechste Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1797, Seite 176. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_6.pdf/198&oldid=- (Version vom 1.8.2018)