Seite:Zerstreute Blaetter 6.pdf/232

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

ihren Namen verdiente, mithin uns als solche nützlich seyn könnte? Ungeheuer viel. Ich müßte mein ganzes Daseyn als den Grund meines Schicksals bis auf seine tiefsten Urgründe, alle meine Vorfahren hinauf kennen, um mir das Räthsel zu erklären: warum und wie Ich mit solchen Kräften und Schwachheiten, Anlagen und Lücken, Trieben und Fehlern dabin? Ich müßte das ganze Universum von Umständen wissen, die auf jene gewirkt haben, die auf mich wirken und wie ein Briareus mit Millionen Armen, Fingern, Füßen und Fäden mein Schicksal bestimmen, lenken und leiten werden. Habe ich zu dieser Wissenschaft Kräfte? habe ich zu Erlangung derselben in meinem kurzen Leben Zeit? Ist dies überhaupt dazu eingerichtet? – Auf keine Weise. Nicht die Wissenschaft des Zukünftigen und die Spekulation über dasselbe ist die Lection meines Lebens, sondern der Gebrauch des Gegenwärtigen. Dazu habe ich Mittel und Kräfte. –

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Sechste Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1797, Seite 210. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_6.pdf/232&oldid=- (Version vom 1.8.2018)