Seite:Zerstreute Blaetter 6.pdf/236

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12.

Und was ist die Wissenschaft des Schicksals, so fern dies in unserm Gesichtskreise liegt, als Einsicht in die Consequenz der Dinge, d. i.


hieß im Gothischen ein Geist, ein wehender Hauch: (S. Ihre, Wachter, Scherz Glossarien) und es möge nun seyn, daß der Geist der Zukunft auf uns, oder unser Geist auf die Zukunft hinauswirke, in beiden Fällen ist der Ausdruck angemessen und treffend. Wahrscheinlich sagte man zuerst als ein Impersonal mir ahnete! gleichsam eine halbleidende Wirkung zu bezeichnen, wie man sagt: mich verdrießt es, mich schaudert u. f. Aus diesem Ausdruck: meinem Geist, meinem Herzen ahnet Gutes oder Böses entstand die spätere active Formel: mein Geist ahnet die Zukunft. Beide Ausdrücke zeigen etwas Großes, Schweres, Dunkles an, das vor uns liegt, und wir mit einem hellen Blick nicht zu durchdringen, zu umfassen vermögen. Um so mächtiger aber wirkt auf uns diese verworrene, viel-umfassende Erkenntniß. – Dem Ahnen steht ein

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Sechste Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1797, Seite 214. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_6.pdf/236&oldid=- (Version vom 1.8.2018)