Seite:Zerstreute Blaetter 6.pdf/275

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und die Legende der mittleren Zeiten, so unentbehrlich sie der Geschichte ist, hat außer einigen Französischen Kritikern, wenig Bearbeiter gefunden. Wie billig, bewarben sich die Protestanten nach der Reformation wenig anders, als Streitweise um sie; die Erzkatholischen Länder blieben im Glauben an die Legende, als an eine geschriebene Tradition; und die wenigen Untersucher wußten und kannten ihre Schranken. Eine vollständige Kritik der Chroniken und Legenden mittlerer Zeit, unpartheilich und ehrsam, geschrieben für jeden und für keinen Cultus, auf den Knieen der Wahrheit geschrieben und von ihr selbst dictirt, gehört noch unter die guten Wünsche.

Und doch wäre sie, was das Wunderbare anlangt, so schwer zu schreiben eben nicht; das Wunderbare der mittleren Zeit hat seine sehr enge Topik. Aus der biblischen Geschichte und aus National-Traditionen, aus Einbildungen der

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Sechste Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1797, Seite 253. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_6.pdf/275&oldid=- (Version vom 1.8.2018)