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Nord und Süd auf seinen Flügeln träget,
Daß, wohin wir kommen, Städt’ und Dörfer,

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Helle Haufen uns entgegen senden,

Die uns grüßen, uns Erquickung reichen,
Knieend unsern Segen sich erflehen,
Und darüber unser Herz frohlockte –
Bruder Leo, das ist nicht die Freude,

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Echte, wahre Christenfreude nicht.“


     Weiter gingen sie; der Hauch des Winters
Wehete gelinder, und Franciscus
Redet fort: „Wenn vor dem hohen Pulte
Des berühmtesten, des vollsten Tempels

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Zehentausend um uns stehn und horchen

Auf die Sprüche unsrer Weisheit, saugen
Durstend ein den Odem unsrer Lippe;
Wenn wir Herzen spalten, führen Seelen,
Tausend Seelen im Triumph gefangen,

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Daß, berauschet auf des Wohllauts Strömen,

Jedes Ohr dahinschwimmt, und die Augen
Süße Bäche weinen; Seufzer steigen

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Sechste Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1797, Seite 343. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_6.pdf/365&oldid=- (Version vom 1.8.2018)