Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/223

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
3.

Sie werden bemerkt haben, daß im Lobgesange auf den St. Anno schon eine biegsamere Sprache herrschte, als bei Ottfried oder dem Siegssänger gegen die Normannen zu finden seyn konnte. Wie wenn ich sie auf einmal in den Garten der feinsten Zucht und Sitte, der Ehre und Liebe einführe, wo jede Blume in der artigsten Sprache genannnt und gepriesen wird?

Ich grüße mit Gesange die süße,
die ich vermeiden nicht will, noch mag.
Da ich sie von Munde selbst konnte grüßen,
ach leider, deß ist mancher Tag! –
Wer nun dies Lied singe vor ihr,
der ich so gar unsanftiglich entbehre;
Es sei Weib oder Mann, der habe sie gegrüsset von mir.

Sie sehen, ich rede von den Dichtern des schwäbischen Zeitalters, und zürne auf mich selbst, daß ich auch diese erste Strophe eines Gesanges Kaiser

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 207. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/223&oldid=- (Version vom 1.8.2018)