Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/228

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der Lieder heraus, blos und genau wie er sie in der Handschrift fand. 13)[1] Das war nun freilich zu einem leichten, angenehmen und nützlichen Gebrauch dieser Gedichte dem Leser zu viel zugemuthet, von ihm zu viel erwartet. Die gedrungene Menge der Verse von hundert und vierzig Dichtern übertäubte; und es mögen wenige in Deutschland seyn, die das intereßante Buch bis zu Ende gelesen, geschweige studirt und sich nutzbar gemacht haben. Diesen schreckt die Einförmigkeit, oder, wie er meint, die Trivialität des Inhalts, in dem so viel von Minne und Weibern, von May und Sommer, von Zucht und Ehre gesprochen wird, ab; jener kommt mit der Sprache nicht fort: Ein unverständliches Wort hindert ihn am Genuß der ganzen Strophe; ein Dritter, der alles gern an Stelle und Ort betrachtet, weiß nicht, wohin er diesen oder jenen erwähnten Umstand bringen soll? wer dieser Wenzel und Konrad, jener Rudolf oder


  1. 13) Sammlung von Minnesingern, 4. Zürich 1758.
Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 212. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/228&oldid=- (Version vom 1.8.2018)