Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/231

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reden wollen, so dünkt uns oft doch, wo das Gedicht nicht eigentliches, muntres Lied ist, die Minnesinger-Weise langweilig; die Strophe ziehet sich in langen und kurzen Zeilen für uns Tonlos und matt dahin, wie sie, in späterer Zeit bei den Meistersängern sich fast unausstehlich schleppte. Ein Aufschluß, der uns hierüber ein Tonkünstler gäbe, wäre niemanden unwillkommen; und nicht unwillkommner die Untersuchung, wie diese, schleichenden Sylbenmaasse in die Deutsche Sprache, gekommen seyn, die ehedem so kurze, rasche Wortschälle liebte. Am willkommensten wäre uns dabei ein erläuternder Commentar dieser Gedichte aus den Gegebenheiten und Sitten des damaligen Zeitalters. Von selbst würde sich dieser auf Bodmers und Müllers Sammlungen 16) [1] erstrecken müssen; und so würde der Commentar den Dichtern selbst aufhelfen. Jenes zu gut würde man diese lesen. Nothwendig käme man dabei der Sprache auch zu Hülfe, welches


  1. 16) Berlin, 1783. 4.
Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 215. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/231&oldid=- (Version vom 1.8.2018)