Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/288

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sich also vielmehr verwundern, daß er nicht lieber den Musen und der Deutschen Sprache gar einen Scheidebrief und ewigen Urlaub gegeben.“ Und in der That zeigen seine Gedichte, daß er nicht nur mit allen gebildeten Sprachen Europa’s und mit den berühmtesten, treflichsten Menschen seiner Zeit, sondern auch mit dem grossen und feineren Weltlauf einheimisch und innig bekannt gewesen. Seine Gedichte athmen den Geist der grossen Welt; sie sind voll sinnreicher, artigen Wendungen bis auf die damals viel geltenden Concetti der Italiener. Die Englische Sprache scheint ihm seine zweite Muttersprache geworden zu seyn; ihr eifern seine Gedichte in Ansehung des Dranges der Worte bis zum Ueberladenen nach; sie sind voll Anglicismen. Ausser Englischen hat er aber auch Griechische, Lateinische, Italienische Stücke, alle jedoch in eigner Art nachgebildet. 39)[1] Die Liebesgedichte, (Bulereien, wie


  1. 39) So ist z. B. die 30. Ode seines 2ten Buchs, die [273]Lüge, eine Nachbildung des herzlichen Stücks, das Walter Raleigh die Nacht vor seinem Tode geschrieben haben soll: go, foul, the bodie’s guest; Reliques of ancient Poetry (Vol. 2. p. 306.) Die 32te Ode Ulysses und die Syrene ist wörtlich das Gespräch: Ulysses and the Syren (Reliq. Vol. I. p 312.) Die Kennzeichen eines glücklichen Lebens Rel. Vol. I. p. 320. und dem Italienischen ist ungemein vieles sowohl in den Oden als Sonnetten nachgebildet.
Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 272. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/288&oldid=- (Version vom 1.8.2018)