Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/321

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seyn mag, die unerreichbaren Muster der ältern Musik der Kirche. Denn, heilige Cäcilia, mit welchen Wunder- und Herzenstönen hast du deine Lieblinge, einen Leo, Durante, Palestina, Marcello, Pergolese, Händel, Bach u. f. begeistert! In und aus ihnen tönte die heilige Musik in vollem, reinen Strome; bis sie sich nachher in tausend anmuthige Bäche zertheilt hat.

Ziehen wir aus dem, was historisch bemerkt worden, einige Folgen: so ergiebt sich vor allem, daß der christliche Kirchengesang von Anfange bis zu Ende eines Gottesdienstes oder Festes Ein Ganzes seyn müße, das vom ersten bis zum letzten Tone Ein Geist belebet. Aus unsern protestantischen Kirchen ist diese Einheit ziemlich verschwunden, auf welche es doch in der ersten Kirche so fühlbar und groß angelegt war. Wir fangen freilich mit einem Demuthsvollen Kyrie an, und unterbrechen es zuweilen mit einem Gloria. Ein Allein

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 305. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/321&oldid=- (Version vom 1.8.2018)