Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/329

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Erzählung größten Theils sehr musikalisch gesagt war: denn es ist nicht zu bergen, daß der historische Styl der Bibel, so wie Oßian, ja jede von Kindern und einfachen Völkern erzählte Geschichte der Musik viel empfängiger ist, als unsre künstlichsten Recitativ-Perioden. Die ältere Kirche fügte es also anders. Nur wenige Hauptworte nahm sie aus den Lectionen zum Gesange auf, ließ diese in Antiphonien wiederkommend ans Herz dringen, als Hauptdenkmale der ganzen Geschichte. Dies dünkt mich sei der wahre Zweckmäßige Gebrauch derselben nach Ort und Zeit: denn warum dörfte der Gemeine eine Geschichte vorgesungen werden, die sie weiß, ja die sie eben gehört hat? Und welches sogenannte malende Recitativ könnte eine Geschichte malen? Aber Worte, Stellen aus der Geschichte ans Herz legen, das kann die Tonkunst.

5. Hiemit zeigt sich also, daß die Kirchenmusik auf keine Weise dramatisch seyn könne, und wenn sie dies seyn wolle, sie

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 313. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/329&oldid=- (Version vom 1.8.2018)