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Liste.png Zwei Feine Gleichnisse von der Weisheit dieser Zeiten zu Nutz und Frommen des lieben Christenvolkes mit einer Vorrede und Randglossen versehen

 Christkind.
Mein Reich ist nicht von dieser Welt;
Wol dem, dem diese Welt mißfällt,
Der mich in seines Herzens Schrein
Als König läßt und Herrscher ein!
 Säculum.
Was dies betrifft, so bin für mich
Mit dieser Welt zufrieden ich;
Mein Wille ist mein Himmelreich,
Gehts dem nach, ist mir alles gleich.** Dazu brauchs keine Glosse
 Christkind.
Doch als dein Richter steh ich hier
Und bitte: Stoß mich nicht von dir;
Willst du nicht kommen ins Gericht,
So weigre jetzt dich meiner nicht.
 Säculum.
Nein, hört, was mir das Kind da sagt,
Ich vor’s Gericht und unverklagt!** Ist freilich arg im Jahrhundert des „Rechtsstaats!“
Ein Kind, das sich da Richter nennt,
Und nicht das corpus juris** Ist das große Gesetzbuch von der Römer Zeiten her, aus dem die Juristen ihre Rechtsgelehrsamkeit schöpfen. kennt.
 Christkind.
Mich hat zum Richter der bestallt,
Der aller Dinge hat Gewalt;
So du nicht thust nach meinem Wort,
Bist du gerichtet hier und dort.
 Säculum.
Mag sein, daß dir es wär bequem,
Den Willen thun und weißt nicht wem?
Zeig mir erst Siegel und Dekret,
Wie’s denn mit deiner Vollmacht steht?
 Christkind.
Was mich bezeugt, ist eine Kraft,
Die Tod bezwingt und Leben schafft;
Doch nur wer meinen Willen thut,
Erfährt des Willens Werth und Gut.

Empfohlene Zitierweise:
: Zwei Feine Gleichnisse von der Weisheit dieser Zeiten zu Nutz und Frommen des lieben Christenvolkes mit einer Vorrede und Randglossen versehen. Abteilung II der Gesellschaft für innere Mission im Sinne der lutherischen Kirche, Nürnberg 1874, Seite 09. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zwei_Feine_Gleichnisse_von_der_Weisheit_dieser_Zeiten.pdf/9&oldid=3059173 (Version vom 29.10.2017)