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Johann Matthäus Bechstein.jpeg


Johann Matthäus Bechstein.
Geb. d. 11. Juli. 1757, gest. d. 21. Feb. 1822.


Unter der großen Zahl tüchtiger deutscher Männer, die aus »Handwerks- und Gewerkesbanden«, aus niedern Hütten, aus den Kreisen des Volkes sich in höhere Sphären emporrangen, durch nichts unterstützt, als durch ihre glückliche Begabung und ihren Fleiß, war auch Bechstein. Viele seiner Zeitgenossen nannten ihn fern von aller Schmeichelei den »Vater der neuern Naturgeschichte« und er war es mindestens im Bezug auf das Gebiet der Ornithologie unbestritten, doch verdanken seinen Forschungen wie seinen Anregungen Forst- und Jagdkunde, Cameralistik und Landwirthschaft unendlich viel, und was er durch fast 3 Decennien als Lehrer leistete, trug Früchte für das Vaterland, die man noch heute willig anerkennt.

Bechstein wurde in dem Sachsen Gothaischen Dorfe Langenhayn, ohnwett Waltershausen, dicht am Fuße der Thüringerwaldberge, gleichsam aus deren Schooße geboren; der Vater war des Dorfes Huf- und Waffenschmied, nicht ohne Bildung, ein Freund höherer Lektüre und großer Jagdliebhaber und Naturfreund, Eigenschaften, die er auf den fähigen Sohn vererbte, ohne diesen aber für das Jagdfach zu bestimmen. Nach dem mangelhaften Unterricht in der Dorfschule nahm das Gymnasium zu Gotha den vierzehnjährigen Knaben auf, der schon mancherlei Kenntnisse des Naturlebens sich selbst angeeignet hatte, damit er sich zum Studium der Theologie vorbereite. Von dort ging Bechstein nach Jena, wo er in der That, dem Wunsche des Vaters gehorsam, Theologie studirte, nach der Heimkehr sein Candidatenexamen bestand und zu informiren begann, auch hie und da einmal predigte; freilich woben sich aber in seine Predigten mehr Bilder aus der Natur als aus der Apocalypse ein, und das Gefühl, das Wesen der Gottheit in jedem Gebilde der Natur zu ahnen und anzubeten, sprach sich in seinen Kanzelvorträgen stets lebendig aus.

In diese Periode von Bechstein’s Leben fiel die Errichtung der Erziehungsanstalt zu Schnepfenthal durch Salzmann, und der letztere fand in Bechstein einen seiner ersten, fähigsten und thätigsten Gehülfen, nahm ihn zum Lehrer an, sandte ihn aber vorher noch an einige auswärtige Philantropine, nach Reckahn,