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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen-151.jpg


Franz de Paula Gruithuisen.
Geb. 1774, gest. d. 26. Juni 1852.


Wie fremdländisch und undeutsch auch dieses Mannes Name lautet, so war er doch ein deutscher Mann, ein Mann deutscher Wissenschaft und Forschung, war Denker und Erfinder; heimisch im Reiche der Heilkunde, ein treuer Priester Aesculap’s, und nicht minder heimisch im Gefilde der ewigen Sterne, ein würdiger Priester Urania’s.

Gruithuisen begrüßte den irdischen Tag auf dem Schlosse Haltenberg am Lech, wo sein Vater als kurfürstlich bayrischer Falkonier lebte, und dieser bestimmte den Sohn zum erlernen der Wundarzneikunde, deren Laufbahn er bei einem Barbier begann, und in der er alle die praktischen Thätigkeiten übte, die für die Menschheit zwar unentbehrlich, aber keinesweges geeignet sind, den Seelenkräften höheren Schwung zu verleihen. Diesen allzuirdischen Banden entzog sich Gruithausen, indem er sich nach Wien begab, und dort eine Zeit lang, aber nicht lange Zeit eine chirurgische Schule besuchte. Der Drang, sich zu versuchen, führte ihn beim Ausbruch des Krieges, an den sich Oesterreich mit Rußland gegen die Pforte verband, 1787, schon als Knaben von 13 Jahren unter die Schaar der Feldchirurgen, und es begann für ihn ein bewegtes Leben, bis sein Geschick nach glücklicher Heimkehr in das Vaterland ihn wegen seiner stattlichen Größe der kurfürstlichen Leibgarde einreihte, wobei er als eifriger Audodidact sich Kenntnisse in der Physik zu erringen suchte, und durch eigenes streben es dahin brachte, im 27. Lebensjahre die Universität Landshut beziehen zu können. Dort studirte er eifrig Philosophie und Arzneiwissenschaft und lebte ein stilles, sittliches und ernstes Leben, indem er sich neben der Brotwissenschaft dem Studium der Sternkunde mit Vorliebe hingab.

Erst im Jahre 1808 gelang es Gruithuisen durch die Doctorpromotion eine gesicherte Stellung zu finden; er wurde Professor der Naturwissenschaften, der Anthropologie und Pathologie an der landärztlichen Schule zu München, und begann seine schriftstellerische Thätigkeit über Gegenstände der Physiologie und Astronomie, die ihm Namen und Anerkennung verschafften, ja selbst Rufe nach den Hochschulen zu Freiberg und Breslau. Aber Gruithuisen war zu sehr Bayer, um Neigung