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Ludwig van Beethoven.jpeg


Ludwig van Beethoven.
Geb. d. 16. Dez. 1770, gest. d. 26. März 1827.

In Beethoven besaß und verlor Deutschland einen musikalischen Genius voll Herrlichkeit und schöpferischer Tiefe, der eben so erfüllt von unerreichter Größe und Hoheit in seinen Tondichtungen, wie liebenswürdig und edel als Mensch war. Beethoven wurde zu Bonn geboren; sein Vater, Anton, war Tenorist in der Hofkapelle des Kurfürsten Maximilian Friedrich von Cöln. In zarter Jugend schon erwachte in des Knaben, ja des Kindes Seele das Töneleben; schon in seinem 5. Jahre konnte er Musikunterricht empfangen, welcher ihn so ganz hinnahm, daß des Vaters Unterricht bald nicht mehr ausreichte; bessere und treffliche Lehrer leiteten nun den jungen Tonkünstler von Stufe zu Stufe höher, unter ihnen besonders van der Eden, und später, nach dessen 1782 erfolgtem Tode, der wackere Hoforganist Neefe, der gefühlvolle Komponist des Liedes: »Wie sie so sanft ruhn«, welcher auf Kosten des Kurfürsten mit Sorgsamkeit und Liebe sich dem Unterricht des viel verheißenden Knaben hingab, der ihm dafür mit voller Liebe lohnte. Während Beethoven bald schwierige Meisterwerke, wie die Sebastian Bach’s, mit Virtuosität und bewunderungswerther Fingerfertigkeit spielen lernte, erwachte auch ih ihm der selbstschaffende Gedanke, und so erschien es als eine Wunderthat, daß der 11jährige Knabe im Jahre 1781 neun Variationen über einen Marsch, drei Claviersonaten und einige Lieder im Stich und Druck herausgab. Der gediegene Lehrer leitete seinen genialen Schüler auch zur Orgel; Beethoven wurde mit 14 Jahren Cembalist bei der kurfürstlichen Hofkapelle und im Jahre 1791 schon Hoforganist, weil sein treuer Lehrer 1790 seine Stelle in Bonn mit einer ähnlichen in Dessau vertauscht hatte, und auch auf der Orgel, diesem großartigen und schwierigen Instrumente zeichnete sich der junge Künstler auf das rühmlichste aus. Da sandte ihn sein Fürst nach Wien, damit er unter Haydn sich vollends in der Komposition ausbilde und unter diesem trefflichen Lehrer begann nun für den aufstrebenden Künstler ein Leben voll Glück und freudigen Weitergelangens, je mehr er sich vertraut machte mit den großen Meisterwerken seines Lehrers, und jener Werke Mozart’s, Händel’s, Bach’s, wie aller damals gefeierten Heroen der Tonkunst. Es