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Götz von Berlichingen.jpeg


Götz von Berlichingen.
Geb. d. 1480, gest. d. 25. Juli 1562.

Der berühmte Ritter, um den die deutsche Poesie verklärende Strahlen wob, die ein Ulrich von Hutten, ein Franz von Sickingen in ungleich höherem Grade verdient hätten, denn an deren geistige Hoheit reichte Götz nicht hinan, wie oft er auch mit ihnen zugleich genannt und als Heros deutscher Mannheit gepriesen wird. Ein männlicher Ritter war Götz in jungen und alten Jahren, kernhaft und derb, ein Sohn seiner Zeit, die noch im Harnisch des Faustrechts sich gefiel und bewegte. Er wurde auf der Burg Jarthausen geboren, besuchte als Knabe die Schule zu Niedernhall am Kocher, doch nur ein Jahr lang, denn er hatte mehr Lust an Pferden und Reiterei, als an der Schule, und wurde bald ein Reitersbub bei seinem Vetter Conrad von Berlichingen, der ihn schon 1495 mit auf den Reichstag nach Worms nahm, wobei er täglich 8 bis 9 Meilen auf dem Pferde zu sitzen hatte. Da lernte er reiten und übte diese freisame Kunst oft und viel, hin und her, bis sein wackerer Vetter zu Lindau am Bodensee starb, worauf Götz 1496 sich zu Markgraf Friedrich IV. zu Ansbach in Dienste begab, mit diesem im Heere Maximilian’s I. den Zug nach Burgund that und vor Langres sich durch persönliche Unerschrockenheit und Tüchtigkeit auszeichnete. Während Götz mit zu Felde lag, starb sein Vater zu Jarthausen, und nach beendigtem Heereszug besuchte der junge Knappe seine Heimath, feierte bei den seinigen, bei Mutter, Bruder und Schwester, Fastnacht, bekam aber Jarthausen und die Ruhe dort bald satt und überdrüssig, und ritt wieder zum Markgrafen gen Onolsbach, mit dem er 1499 in den Schweizerkrieg zog. Dort sprach ihn der Kaiser selbst freundlich an. Später kämpfte Götz als fahrender Ritter, theils in Privatfehden, theils in markgräflichen Diensten, zog mit gegen Nürnberg, machte von 1504 an den bayrischen Krieg mit, und hatte das Unglück, daß die Kugel einer Feldschlange seinen Schwertknauf traf, der durch die Armschienen drückend ihm den Vorderarm zerschmetterte, während dieselbe Kugel einen andern Kämpfer todt niederstreckte. Götz mußte die Hand sich abnehmen lassen und lag lange leidend in der Stadt Landshut, bis er heil ward und eine kunstvolle mechanische Hand ihm, übel genug, die verlorene ersetzte, wodurch ihm der Beiname Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand zu Theil wurde. Nach wie vor blieb Götz beim Kriegs- und Reiterhandwerk, machte auf offenem Felde Bekanntschaft mit Görg von Frundsberg und Franz von Sickingen, wurde aber weder der Schwager des einen noch des andern, wie vielfach irrig geschrieben und geglaubt worden ist. Daß ritterliche Befreundete sich gegenseitig Schwager nannten, war eine zeitgemäße Höflichkeitsformel, so nannten sich die Fürsten häufig in Briefen: lieber Ohm, Schwager, Bruder, Sohn, Gevatter u. dgl., ohne daß stets dieß Verhältniß wirklich stattfand. Götz fuhr fort, bald dem, bald jenem um Sold zu dienen, und so fehdete er eine Reihe von Jahren