Seite:Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen.pdf/198

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erhob er sich an seinem Theile, für die bedrohte Freiheit zu streiten. Er nahm die Bestallung eines Obersten bei dem Böhmenkönige Friedrich V. von der Pfalz an, bestellte eine Regierungskommission in seiner Residenz, warb Truppen, ging in Begleitung seiner nicht minder kriegslustigen und tatendurstigen jüngern Brüder, der Herzoge Friedrich und Wilhelm IV., unter welchem letzteren später auch der jüngste der Brüder, Herzog Bernhard, sich die Sporen verdiente, zu Friedrich V. und wohnte als tapferer Kämpfer der Schlacht am weißen Berge bei Prag bei, deren für die evangelische Partei so unglücklicher Ausgang ihn keineswegs muthlos machte. Er hielt treulich bei Friedrich V. aus und begleitete denselben nach Breslau. Später berieth Herzog Johann Ernst zu Wolfenbüttel, wohin er seine vier jüngeren Brüder, Friedrich, Wilhelm, Ernst und Bernhard nebst einigen Räthen beschieden hatte, eine Uebereinkunft, welche das Einkommen der Prinzen regelte, die Führung der Regierung dem Herzog Ernst bis zur Rückkehr des auf Reisen befindlichen Bruders Albrecht anvertraute, und suchte dann bei Kaiser Ferdinand II. um die übliche Belehnung seiner Lande nach. Allein der Kaiser verweigerte diese Belehnung ihm, wie seinen Brüdern Friedrich und Wilhelm, weil sie das Schwert gegen Oesterreich getragen. Diese Verweigerung kümmerte die kriegerisch gesinnten Sachsenherzoge sehr wenig, und noch weniger fanden sie sich bewogen, ihre Schwerter in die Scheiden zu stecken. Die meisten Brüder Johann Ernst’s erlebten gleich ihm mehr oder minder merkwürdige Schicksale. Friedrich, in der fruchtbringenden Gesellschaft »der Hoffende« geheißen, diente unter Graf Ernst von Mansfeld als Oberster, zeigte bei jeder Gelegenheit männliche Tapferkeit und starb den Heldentod in der Schlacht bei Fleury, erst 27 Jahre alt, 1622. Wilhelm, dessen Lebensumriß Lieferung XV. d. Bl. schildert, führte nebst seinem als Rittmeister unter ihm dienenden Bruder Bernhard (Lief. X.) nach der Schlacht am weißen Berge den Krieg in der Oberpfalz mit einem neu geworbenen Heere, vereinigte sich mit dem kühnen Mansfeld, trat in die Dienste des Markgrafen Georg Friedrich von Baden und diente hernach dem Herzog Christian von Braunschweig als Generallieutenant; er trat 1625 vom Kriegsschauplatz ab, stellte sich jedoch später unter Gustav Adolph’s Fahnen, und blieb ein treuer Vorkämpfer der evangelischen Partei, bis der Präger Friede 1635 ihm Anlaß wurde, sich von den Tummelplätzen des Krieges zurückzuziehen und sich den Regierungsgeschäften seines Landes zu widmen. Letzteres hatte Herzog Albrecht stets gethan; er, der in der Geburtsstunde seines tapfern Ahnherrn Albrecht des Beherzten zur Welt kam und deshalb den Namen Albrecht erhielt, war gerade der am wenigsten beherzte, wogegen der folgende Bruder Johann Friedrich in seinen Jünglingsjahren unter seinem Bruder Johann Ernst in der Armee des niedersächsischen Kreises, die der König von Dänemark Christian IV. befehligte, stand und focht. Ein unglückliches Temperament, das in völlige Gemüthskrankheit ausartete, die ihn zu den unverantwortlichsten Thaten Hinriß, umschleierte das Leben dieses Trägers eines Namens, dem schon zweimal im eigenen Hause das Unglück sich an die Ferse geheftet – Johann Friedrich der Großmüthige, Johann Friedrich der mittlere – und er endete in Gefangenschaft, ein seiner Zeit weit vorausgeeilter Naturphilosoph, der, einerseits tief vom Aberglauben umstrickt, sich zur Höhe des baaren Unglaubens, zum läugnen der Wahrheit und der Unfehlbarkeit der Bibel, wie der Unsterblichkeit erhob. Ernst (Lief. VIII.) erfüllte am würdigsten und herrlichsten die ihm gewordene große Mission, nachdem auch er kriegerische Tapferkeit in Fülle an den Tag gelegt. Friedrich Wilhelm starb als Jüngling von 16 Jahren an den Folgen einer Jagd, ihm schmückte gleich Albrecht kein kriegerischer Lorbeer das Haupt.

Johann Ernst war Generallieutenant der Reiterei unter König Christian IV. von Dänemark und erhielt in einem Gefecht bei Nienburg eine Schußwunde in die Achsel. Er führte in Westphalen mit vielem Glück seinen Krieg, eilte aber dem Grafen Ernst von Mansfeld zu Hülfe, als dieser von Wallenstein bei Dessau geschlagen worden war, und verband sich mit Mansfeld zu dem großen Zuge nach Ungarn, um Bethlen Gabor mit ihrer Kriegsmacht und ihren Feldherrntalenten gegen den Kaiser zu unterstützen. Ueber diesem Zuge ging beider tapferer Heerführer Unstern auf, obschon ihr Marsch nach Ungarn durch Schlesien ein siegreicher war. General von Dohna wurde zweimal geschlagen, Leschnitz und andere feste Plätze wurden erobert und besetzt und so gleichsam auf einem Siegeszuge Ungarn erreicht. Aber dort fanden beide Freunde, der Sachsenherzog und der tapfere Graf von Mansfeld, statt eines entschlossenen Feldherrn einen unentschiedenen, wankelmüthtgen Mann, der sich schlau und listig den jemaligen Zeitverhältnissen anschmiegte. Er hatte Ungarns Krone errungen und sie freiwillig wieder abgelegt und herausgegeben und mit Oesterreich seinen Frieden gemacht. Im Jahre 1623 hatte er sich aufs neue gegen Oesterreich erhoben und 1624 abermals Frieden geschlossen. Jetzt wieder hatte er um Geld und Truppen mit England, Holland und Dänemark unterhandelt, um Oesterreich aufs neue zu bekriegen; die Heere kamen, aber Bethlen Gabor blieb unthätig. Der tapfere Mansfeld starb in Ungarn; zwölf Tage später folgte Herzog Ernst ihm nach. Eine unverdauliche Speise sollte Schuld sein und dazu getrunkener starker Wein. – Der Herzog starb zu St. Martin in der Gespanschaft Turotsch in Oberungarn »an der Hauptkrankheit«, wie in der Bibel steht, die sein Bruder Herzog Ernst der Fromme später herausgeben ließ. Schon hatte der Kaiser die Acht über ihn, einen seiner wüthigsten Gegner, ausgesprochen, der Tod vereitelte deren Vollstreckung. Der Kaiser erlaubte, daß der Leichnam des Herzogs nach Troppau in Schlesien geführt werden durfte, später, am 18. Juli 1627, wurde er feierlich in der Hauptkirche zu Weimar beigesetzt. Seine Truppen in Böhmen zerstreuten sich und nahmen zum Theil im kaiserlichen Heere Dienste. Wäre Johann Ernst länger am Leben geblieben, so wäre vielleicht Deutschland der noch über 20 Jahre nach seinem Tode andauernde Religionskrieg erspart worden.