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hindurch gegen den Landgrafen von Leuchtenberg, gegen Cöln, gegen die Grafen von Hanau, gegen das Geschlecht der Waldstromer in Nürnberg. Er fing Leute und Wagen weg, erhob Brandschatzung, und zog sich endlich wegen offenen Landfriedensbruches die Reichsacht zu, bis der Span vertragen ward und Götz wieder ruhig nach Hause ziehen durfte. Als der Bauernlärm des sogenannten »armen Conrad« aufkam, leistete Götz seinem Landesherrn, dem Herzog Ulrich von Würtemberg, mit 30 reisigen Knechten Zuzug gegen die Aufwiegler und half den »armen Kunz« zu Paaren treiben. Im Jahre 1515 befehdete der biedere Götz den Kurfürsten von Mainz, überfiel einen Zug mit Kaufmannsgütern, erbeutete 8000 Gulden, brandschatzte oder zerstörte hie und da Schlösser und Gehöfte, nahm den mainzischen Rath und Diener Grafen Philipp II. von Waldeck persönlich gefangen und schleppte ihn durch vieler Herren Länder nach Jarthausen, von wo aus Götz für »Zehrungs- und Reisekosten« ein Lösungsgeld von 8100 Gulden heischte, das des Grafen Sohn erlegte, und damit den greisen Vater befreite. Auch diese Fehde ward geschlichtet und vertragen, und dann leistete Götz Franz von Sickingen Kriegshülfe gegen Worms, obschon er nicht persönlich an dessen Zuge Theil nahm. In dieser Zeit erwarb Götz von dem erbeuteten Gelde das schöne Schloß Hornberg am Neckar, bezog und bewohnte es und schrieb sich fortan stets: Goß oder Gottfried von Berlingenn (so, nicht Götz v. Berlichingen) uf Hornbergk. Er setzte wohlgemuth Reiterei und Fehderei in alle Wege fort, vertheidigte mit großer Tapferkeit nach der Vertreibung des Herzogs Ulrich dessen ihm anvertrautes Schloß Möckmühl und wurde, nachdem ihm bei völliger Unmöglichkeit längerer Vertheidigung endlich die Belagerer freien Abzug zugesichert hatten, treuloser Weise gefangen genommen und nach Heilbronn gebracht, wo er über eine Nacht in einen Diebsthurm gelegt wurde. Und obwohl Georg von Frundsbera und Franz von Sickingen redlich das ihrige thaten, den Freund zu erledigen, so gelang dieß dennoch nicht, und Götz mußte in leidlicher Hast bis zum Jahre 1522 zubringen, bis er sich mit 2000 Gulden lösen konnte. Jetzt begab er sich auf sein Schloß Hornberg und lebte seiner Familie. Er war zweimal vermählt. Die erste Gemahlin war Dorothea von Sachsenheim, die zweite Dorothea Gailing von Wiedersheim. Seine Familie war eine zahlreiche, er hatte 8 Söhne und 5 Töchter, doch pflanzte nur ein Sohn das Geschlecht fort. Die Ruhe auf der neuen Stammburg lenkte des tapfern Ritters Auge hinweg von den Schwertfehden auf die des Geistes, die durch Ulrich von Hutten, wie durch Luther und andere reformatorische Zeitgenossen entbrannten, und er neigte sich in seinem Innern der Lehre Luther’s mit freudigem Beifall zu – wie man sagt und annimmt – denn in des Ritters Selbstbiographie steht von Luther, vom Glauben, Lehre u. dgl. kein Sterbenswort. Da kam durch Luther’s mißverstandenes Wort von der geistigen Freiheit einestheils, anderntheils durch wirklich allzu harten Druck hervorgerufen, der landschädliche Bauernkrieg, der gegen Fürsten und Ritter Karst und Dreschflegel zu Waffen stempelte und erhob. Ritter Götz von Berlichingen genoß, ganz gegen seinen Willen, das zweideutige Glück, volksthümluh zu sein; er war ein Ritter wie andere und es fiel ihm nicht im entferntesten ein, das Nichtsnutze Treiben und Gebaren der Bauern gut zu heißen. Zudem nahmen sie ihm sein Schloß Hornberg ein, darin seine Frau als Wöchnerin lag, begehrten seiner als eines kriegskundigen Hauptmannes, und er war rathlos, ob er dem Pfalzgrafen, seinem Nachbar und früheren Herrn, zu Hülfe reiten oder dem Rufe der Bauern Folge leisten sollte, denn die Bauern waren wie sie immer sind, wenn der Aufruhrgeist über sie kommt, nach Götzes eigenem Ausdruck, »alle voll Teufel«, und Götz wünschte ihnen, daß statt seiner »der Teufel ihr Hauptmann werde«. Das alles half ihm aber nichts, er wurde – gleich vielen andern fränkischen Fürsten, Grafen und Herren – in den Bauernbund gezwungen, und mußte des tollen Haufens Hauptmann werden, obschon er wünschte, »lieber im ärgsten türkischen Thurme zu liegen, als bei dem Gefindel«. »Frei und gut rund« schlug Götz den Bauern ihr Ansinnen ab, zu ihnen zu halten, »denn ihre Handlung und seine Handlung, und ihr Wesen und sein Wesen wären so weit von einander, als der Himmel von der Erden« – es half alles nichts; Götz blieb nur die Wahl, zu dem toll gewordenen Volke zu halten oder aber todtgeschlagen zu werden, und er suchte nun als Bauernführer nur Schaden zu verhüten und die Wiederkehr solcher Greuel zu verhindern, wie sie zu Weinsberg und an andern Orten des Schwaben- und Frankenlandes verübt worden waren. Als oberster Feldhauptmann des Bauernheeres zog Götz mit vor Würzburg, wurde von den ihm mißtrauenden Bauern mit dem Tode bedroht, entging aber glücklich der Gefahr und überließ die Aufwiegler dem verdienten Schicksal und der rächenden Hand der Vergeltung durch den schwäbischen Bund und die vereinte Fürstenmacht. Eine Menge Briefe Götzes, die noch vorhanden sind, enthalten ausführliche Rechtfertigungen seines Verhaltens im Laufe dieser bedrohlichen Zeit, allein man nahm ihn dennoch in Haft und er mußte das unfreiwillige Bauernbündniß mit zwei Jahren Kerker büßen, nach welcher Haft er eine strenge Urphede beschwören mußte und auf die eigene Burg gleichsam festgebannt wurde, bis Kaiser Karl V. ihm die volle Freiheit wieder gab und ihn zu einigen Feldzügen verwendete, auf denen jedoch dem alternden Ritter versagt blieb, Ruhmeslorbeeren zu pflücken. Von da ab blieb Götz friedlich zu Hause auf Burg Hornberg, starb nicht nach Freiheit seufzend im Gärtchen am Thurm zu Heilbronn, sondern ruhte gemächlich aus von seinem vielbewegten Leben, beschrieb es treulich und treuherzig, so gut er konnte, und erreichte das hohe Alter von 82 Jahren. Er starb zu Hornberg und wurde im berliching’schen Erbbegräbniß im Kloster Schönthal beigesetzt, ihm auch ein stattliches Monument daselbst errichtet, das ihn in Lebensgröße kniend und betend darstellt.